Je älter man wird, umso unelastischer werden die Linsen im Auge und man kann nicht mehr so gut wechseln zwischen Nähe und Ferne. Richtig fokusieren wird schwieriger, die Alterskurzsichtigkeit schlägt so langsam zu.
Noch extremer wird es, wenn der Graue Star ein Wechsel hin zu Kunstlinsen notwendig macht. Dann gibt es nur noch eine Entfernung, die scharf zu sehen ist.
Zum Glück gibt es Gleitsichtgläser, die zumindest theoretisch diesen Mangel ausgleichen können. Deren Technik ist so aufgebaut, dass der obere Bereich für die Ferne bestimmt ist, und der untere Bereich zum Lesen. Alles dazwischen ist abgestuft für die Entfernungen dazwischen. Damit ist man gezwungen den Kopf je nach Entfernung leicht zu heben oder zu senken, um scharf sehen zu können.
Also geht man zum Optiker, der einem dieses Bildchen zeigt. Und je breiter diese Bereiche sind, umso teurer wird das Glas. Also kommt man natürlich in die Versuchung zu sagen, ich nehme die beste Variante, so dass man leider schnell bei 1000 € für beide Gläser liegt.

Was aber niemand sagt, wie sich die eigenen, persönlichen Werte bemerkbar machen.
Beispiel: Man hat einen Wert von -1,5 Dioptrien für die Ferne, benötigt aber +0,75 Dioptrien für die Nähe. Eine jüngere Person benötigt aber nur 0 Dioptrien für die Nähe, um gut zu sehen. Beide Personen bekommen vom Optiker dieselben Bildchen gezeigt, ohne weitere Erklärung.
Der Unterschied zwischen Nah- und Fernbereich wird Addition genannt. D.h. die ältere Person hat eine Addition von +2,25, die jüngere Person +1,5 Dioptrien.
Soweit so gut. Verschwiegen wird aber folgende Tatsache: Je höher die Addition ist, umso schmaler werden die Bereiche. Ob das aus Unwissenheit geschieht, kann ich leider nicht sagen.

Somit erhält die jüngere Person evtl. das obere Glas, die ältere Person hingegen das untere Glas. Ich möchte mir erst gar nicht vorstellen wie es sein muss, wenn dazu das billigste Glas genommen wird. D.h. die Addition bestimmt zusätzlich die Breite der Bereiche. Somit kann es anschließend passieren, dass man z.B. auf einem Monitor nur noch ein oder zwei Wörter scharf sehen kann.
Ein weiteres Problem besteht darin, dass der Beginn des Fernbereiches am unteren Rand der Pupille ausgerichtet wird, allerdings bei geradem Blickkontakt zum Optiker. Sitzt man aber im Auto oder Sofa, also leicht nach hinten gelehnt, wandert die Pupille automatisch unter diesen Bereich. Somit muss man zwangsläufig den Kopf leicht nach unten senken, um in die Ferne sehen zu können. Veruchen Sie mal, den Optiker von dieser Tatsache zu überzeugen.
Nächstes Problem: Eine Treppe heruntergehen. Ohne Brille sind die Stufen irgendwie eindeutig schärfer. Logisch, im Zweifelsfall schaut man ja auch durch den Lesebereich. Den Kopf mehr senken muss man auf jeden Fall.
Das mag alles kleinlich klingen, bedeutet aber für mich, dass ich mir von 1000 € Gläsern deutlich mehr Komfort erwartet hätte.
Die Lösung
Doch wieder zwei Brillen. Eine für den PC bzw. zum Lesen und eine zweite für die Ferne bzw. mittlerer Entfernung, z.B. Tacho.
Das bedeutet als Arbeitsplatzbrille eine Entfernung bis zu 2 Meter. 1 Meter reicht hier nicht aus, und 4 Meter sind toll, aber für den PC nicht so gut wie 2 Meter.
Und für die Ferne entweder eine Gleitsichtbrille mit deutlich weniger Addition oder eine Fernbrille mit Nahzusatz, so dass der Tacho gut und bequem sichtbar ist. Letztere ist deutlich günstiger und erfüllt nahezu denselben Zweck.
Eine weitere Idee
Eine Idee des Optikers war, den Übergangsbereich zu verkürzen, so dass der Fernbereich etwas tiefer und der Leseberich ggf. etwas höher wandert.

Dumm nur, dass dadurch der Zwischenbereich noch schmaler wurde. Lesen und Ferne waren gut, alles dazwischen total verzerrt. D.h. der Blick zum PC oder im Auto zum Tacho/Navi, unmöglich. Hier eine Position zu finden die zumindest ansatzweise scharf war, nahezu unmöglich.
Die Technik
Ich weiß leider nicht, wie solche Brillengläser wirklich hergestellt werden. Ein Optiker war tatsächlich der Meinung, für die mittlereren Bereiche müsse ‚Material zur Seite weggeschafft werden‘. Im Prinzip also so, als würde so ein Glas in Form gepresst werden und die Füllmenge ist immer gleich, wie bei einem Ballon. Oder hatte er gemeint, dass das Material zur Seite gedrückt wird? Dadurch würden die unscharfen Seitenbereiche entstehen.
Ich kann mir bei logischer Betrachtung weder das eine noch das andere vorstellen. Realistischer dürfte eher sein, dass ein vorgefertigter Rohling entsprechend geschliffen und auf wenige Mikrometer poliert wird. Die Kanalbreiten und somit die Preisunterschiede hängen wahrscheinlich eher davon ab, wie breit die Polierstempel sind bzw. wie lange und genau poliert wird. 10 Sekunden länger polieren könnten eine deutlich bessere Qualität bedeuten.
Fehlende Empathie
Schlecht ist auch, wenn sich ein Optiker nicht in das eigene Befinden hineindenken kann. Auf meinen Einwand mit dem unnötig nahen Lesebereich, also weniger Addition, meinte er nur, das geht nicht. Es gibt auch Optiker, die sich nur auf das Alter beziehen: Das muss so sein.
Die Frage ist halt, warum bestelle ich mit ein teures Individual-Glas, wenn nicht das gemacht wird, was ich haben möchte. Entweder fehlte dem Optiker die Erfahrung, auch weil er sich hinter Hersteller-Vorgaben versteckt, oder er wollte einfach nicht. Eine seiner Kolleginnen hatte es dagegen hinbekommen.
Das bedeutet, es geht durchaus. Gläser können durchaus nach individuellen Wünschen angepasst werden. Herstellervorgaben, das Alter oder was auch immer, das sind nur Ausreden für die Unwissenheit des Optikers.
Denn wenn ich sowieso zwei Brillen verwende, weil die PC-Arbeit mit einer ‚einfachen‘ Gleitsichtbrille zu anstrengend ist, sollte es doch möglich sein zu sagen: Eine Brille für die Ferne bis max. Tacho-Abstand und die zweite Brille zum Lesen und hauptsächlich PC, bis max. 2 Meter. Und ja, genau das ist möglich, auch mit Kunstlinsen.
Ich brauche keinen Optiker, der mir entweder nicht richtig zuhört oder mir sagt, was nicht möglich ist. Oder ein Glas mit Kratzer liefert, obwohl die bestellte Beschichtung dies hätte unmöglich machen sollen.
Das andere Problem sind dann noch Gläser, die der Hersteller unterschiedlich hoch schleift und eine Optikerin, der das trotz Beanstandung nicht auffällt.
Problem Gleitsichtglas
Gleitsichtgläser sind im Prinzip ein Seegen. Aber was da teilweise abgeliefert wird, ist eine Frechheit. Drei Versuche bis zum richtigen Glas sind keine Seltenheit, auch bei den angeblich teuersten Gläsern. Wer weiß denn, ob das wirklich so stimmt und nicht nur durch eine entsprechende Gravur vorgegaukelt wird. Kontrollieren kann es ja niemand. Höchstens, wenn es z.B. vier identische Brillen mit allen Qualitätsstufen für einen direkten Vergleich gibt.
Da setzt man mal eben schnell 2000 € in den Sand, weil keine der bestellten Brillen passt und man sich nicht daran gewöhnen kann.
Denn was nützen 2 Wochen Eingewöhnungszeit, wenn man nicht arbeiten kann, weil am PC nichts zu erkennen ist?
Ich selbst fühle mich von den Schablonen der Optiker jedenfalls veralbert. Sie gaukeln eine Leistung vor, die nur mit minimalen Additionen und optimalen Bedingungen erreichbar sind. Werbung halt, evtl. mit kleingedrucktem Hinweis, der einem aber nicht verraten wird.
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