Feinstaub und sonstige Schadstoffe

In die derzeitige (Januar 2019) Diskussion über Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide hat sich nun auch eine Ansammlung von Lungenfachärzten zu Wort gemeldet. An sich keine schlechte Aktion, möchte man auf den ersten Blick meinen, denn wenn sich jemand auskennt, dann ein Facharzt. Jedoch ist das wirklich so? Was hat diesen Arzt dazu bewegt? Der eigene SUV?

Die eigentliche Idee hinter dem Positionspapier ist nicht verkehrt. Sie stellt die Höhe der Grenzwerte für Luftschadstoffe infrage. Und damit soll die Diskussion versachlicht werden. Dumm nur, dass das Papier genau das Gegenteil bewirkt hat, denn es strotzt nur so voll Polemik. Denn ob die aktuellen Grenzwerte einen Sinn ergeben, steht auf einem anderen Blatt. Daraus aber im Prinzip zu folgern, dass diese Schadstoffe ungefährlich sind, lässt sich an Dummheit aber kaum noch steigern. Inzwischen hat sich sogar herausgestellt, dass er sich nicht nur verrechnet, sondern auch die Gase verwechselt hat (NOx und NO2). Als Asthmatiker fühle ich mit den Aussagen der Stellungnahme verarscht (um es einmal direkt auszudrücken) und als Patient nicht für voll genommen.

Natürlich kann auch ich keine Grenzwerte festlegen und Zahlen weder bestätigen, noch dementieren. Ich habe diese Zahlen nicht festgelegt. D.h. mir ist es zunächst einmal egal, wie hoch oder niedrig ein Grenzwert ist. Fakt ist hingegen, die Luft muss sauber sein.

Andere Quellen behaupten, dass es angeblich seit 2017 in Deutschland keine Überschreitungen beim Feinstaub mehr gegeben haben soll. Stellt sich nur die Frage, warum es in 2018 öfters und auch im Januar 2019 schon wieder sieben Tage mit Feinstaubalarm in Stuttgart gegeben hat? Sollte es dann nicht heißen Stickoxidalarm, oder werden wir nur veralbert?

Es bewahrheitet sich immer wieder: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. So hat es auch dieser Arzt getan. Er hat irgendwas gerecht, sich verrechnet und das als seine Wahrheit der Öffentlichkeit verkauft. Dumm gelaufen.

Genauso dumm und lächerlich ist die Idee einiger Politiker, die Standorte der Messstationen überprüfen lassen zu wollen. Auf gut Deutsch: Ist der Meßwert zu hoch, stell das Meßgerät weiter weg. Tolle Logik.

 

Eigene Erfahrung

Natürlich wird niemand Aufgrund einer aktuell hohen Feinstaubbelastung sterben, so wie es das Positionspapier der besagten Ärzte besagt. Ein schwacher Trost.

Aber: Die meisten Asthmatiker werden bestätigen können, dass eine hohe Schadstoffbelastung teilweise erhebliche Beschwerden (Atemnot, Schmerzen) verursachen kann. Und eine dieser Auslöser sind nun einmal Autoabgase und besonders Dieselabgase. Nein, ich sterbe nicht dran, habe aber teilweise über mehrere Minuten bis Stunden Probleme, wenn ich mal wieder durch so eine Wolke hindurch gehen muss.

Allerdings gilt dies auch für andere Belastungen z.B. durch Zigarettenrauch, Abgase aus Kaminöfen, Deosprays usw. Und genau das ist das Problem bei Asthma. Das sollten Lungenfachärzte durchaus wissen, auch wenn sie nicht selbst von dieser Krankheit betroffen sind. Ärzte sollten ihren Patienten zur Abwechslung auch einmal zuhören.

Und nein, mein Asthma ist nicht durch das Schnüffeln von Dieselabgasen entstanden, sondern sehr wahrscheinlich durch Passivrauchen und Holzstaub. Da im Zigarettenrauch noch mehr Stickoxide sein sollen, ist das eher ein Beleg dafür, dass die krude Therorie dieses Arztes unsinnig ist.

Zum Glück hat mein Lungenfacharzt oder ein anderer, den ich kenne, diesen Wisch nicht unterschrieben.

 

Maßnahmen im Verkehr

Die Schuld nur alleine den Dieselfahrzeugen geben zu wollen ist umgekehrt genauso unsinnig. Die Haltung der verschiedenen Regierungen (Politiker) hierzu ist ebenfalls unglaubwürdig. Gab es doch sogar einmal staatliche Förderungen für Dieselfahrzeuge, weil die ja angeblich sogar noch die Luft sauberer machen sollten (lt. Werbung).

Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen könnten eine Maßnahme sein, die Schadstoffbelastungen zu reduzieren. Nur ist dieser Anteil eher gering im Vergleich zum Ausstoß in Staus, vor allem in den Städten. Und wenn, eine gute Reisegeschwindigkeit liegt im Bereich von 140 – 160 km/h, d.h. 160 km/h Höchstgeschwindigkeit wäre sinnvoll.

Hohe Verbräuche der Autos sorgen für einen höheren Schadstoffausstoß. Damit sind höhere Geschwindigkeiten mit verantwortlich, haben aber sicherlich nur einen kleineren Anteil am Gesamtaufkommen. D.h. gerade der Durchschnittsverbrauch in der Stadt und auch sonst im Alltag muss gesenkt werden. Denn auf der Autobahn bin ich nur selten unterwegs. In diesem Zusammenhang ist es ein Unding, dass die Politik den Fahrzeugherstellern Werte vorgibt, die den Durchschnittsverbrauch der gesamten Flotte vorgibt. D.h. der dicke SUV darf auch weiterhin die Luft verpesten, solange es einen sparsamen Kleinwagen im Sortiment gibt. Das ist der falsche Ansatz. Richtig wäre dagegen: Ein Auto darf unter realen Bedingungen z.B. nicht mehr als 8 Liter pro 100 km verbrauchen – fertig. Aber solange unsere Politiker von der Autoindustrie abhängig sind, wird sich diesbezüglich nichts ändern.

 

Lösungen

In jedem Fall sind Lösungen von richtigen Fachleuten anzumahnen, die von Politikern unabhängig von ideologischen Einstellungen umzusetzen sind. Dieses wichtige Feld darf nicht irgendwelchen verblendeten Politikern, der Autolobby oder sonstigen dubiosen Interessenvereinen überlassen werden. Saubere Luft ist für jeden wichtig und notwendig.

Ich begrüße es sehr, wenn sich bei so wichtigen Themen endlich auch Ärzte mit einbringen möchten, nur wenn, dann bitte seriös und nicht auf dem Niveau von viertklassigen Politikern. Deshalb bitte dranbleiben, aber dabei auch an (lungen-) kranke Menschen denken, und nicht nur an den eigenen SUV.

www.lungenaerzte-im-netz.de

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